Die 7 wichtigsten Faktoren für barrierefreie Webseiten

Barrierefreiheit bei Websites bedeutet eine bessere Nutzbarkeit für alle User und ist in einigen Bereichen sogar gesetzlich vorgeschrieben. Hier präsentieren wir die sieben wichtigsten Faktoren für barrierefreies Internet – und mehrere Wege, Ihre Website oder Ihr Intranet auf digitale Barrierefreiheit zu testen.

Inhalt

Rechteckiges Schild mit dem internationalen Symbol für Rollstuhlfahrer an einem Metallpfosten im Außenbereich.

Was ist digitale Barrierefreiheit?

Digitale Barrierefreiheit bedeutet, dass Websites und Anwendungen von allen Menschen ohne Nachteile genutzt werden können – unabhängig von körperlichen, psychischen oder technischen Einschränkungen. Sie umfasst Websites, Intranets, mobile Apps und elektronische Verwaltungsabläufe.

Standards für barrierefreies Internet

A, AA oder doch AAA? Nein, wir sind nicht mit dem Kopf auf der Tastatur eingeschlafen. Die hier genannten Buchstabenformationen bilden die drei möglichen Standards der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG, Richtlinien zur Barrierefreiheit von Webinhalten), standardisiert durch das World Wide Web Consortium (W3C). Seit Juni 2018 agieren wir mit den WCAG. Besagte Standards sollen die Richtlinien für alle darstellen, die an der Planung, Entwicklung und redaktionellen Pflege einer Website beteiligt sind. Dabei stellt die Konformitätsstufe A die niedrigste und AAA die höchste Stufe dar.

WCAG für bestimmte Websites Pflicht

Grundsätzlich wird empfohlen, die Standards der WCAG zu berücksichtigen, um möglichst vielen Nutzern eine einfache Bedienung der Website zu gewährleisten. Gesetzlich vorgeschrieben ist Barrierefreiheit mit Standard AA derzeitig für Webseiten öffentlicher Stellen (gültig seit Juli 2019). In Deutschland ist dies in der Barrierefreien-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) geregelt. Wir als Digitalagentur ifabrik berücksichtigen diese Standards zur Barrierefreiheit bei der Umsetzung aller unserer Kundenprojekte.

Digitale Barrierefreiheit: Bild von Sonnenblume ist bei Grünschwäche weniger gut erkennbar

Bei Farbenblindheit wird das Farbspektrum nur eingeschränkt wahrgenommen (rechts: Wahrnehmung mit Grünschwäche) / Foto: Aaron Burden, Unsplash

Die 7 wichtigsten Faktoren für Barrierefreiheit

Es gibt unzählige Aspekte für wirkliche digitale Barrierefreiheit. Hier sind unsere sieben wichtigsten Punkte, die Sie unbedingt beachten sollten, um allen das bestmögliche barrierefreie Nutzererlebnis bieten zu können:

Farbgebung und Kontraste

Die Lesbarkeit von Texten oder Grafiken ist ein überaus bedeutender Faktor für die Barrierefreiheit einer Website oder Webanwendung. So sollte der Kontrast zwischen Text oder Elementen und Hintergrund nicht zu gering sein. Andernfalls leidet die Lesbarkeit darunter und die Webinhalte können nicht richtig erkannt werden. Zudem wird Farbe oft als Informationsträger genutzt, wie beispielsweise Rot als Warn- und Signalfarbe. Bei der Verwendung farbiger Elemente oder Schriften zu beachten, dass sie auch etwa bei Farbenblindheit gut erkennbar sein sollten. Das heißt, dass die entsprechende Information (bei Rot die Warnintention) nicht ausschließlich über die Farbe vermittelt werden darf

Strukturierung

Alle Webseiten bedienen sich grundsätzlich der gleichen Bausteine, die in Symbiose eine komplette Webanwendung ergeben. Besagte Bausteine erfüllen ihren optimalen Zweck aber erst, wenn der semantischen Struktur Genüge getan ist. Dies wird z. B. benötigt, um Menschen mit Sehbeeinträchtigung Orientierung am allgemeinen Aufbau der Seite zu geben. Mit folgenden Elementen strukturieren Sie Ihre Website oder mobile Webanwendung und vereinfachen damit die Lesbarkeit:

  • Überschrift und Zwischenüberschriften
  • Absätze
  • Auflistungen und Aufzählungen
  • Tabellen
  • Audio- und Video-Elemente wie Bilder, Grafiken, Tonspuren oder Videos

Responsivität und Skalierbarkeit

Eine Webseite sollte auf jedem Endgerät, sei es ein Computer, ein Tablet oder ein Smartphone, gut erkenn- und bedienbar sein. Viele Menschen nutzen die Vergrößerungsfunktion ihres Browsers, um Text (in kleiner Schriftgröße) oder Bilder besser erkennen zu können. Dennoch sollte der Inhalt noch gut les- und erkennbar sein, auch ohne lästiges horizontales Scrollen oder Hin-und-her-Schieben.

Einfache, verständliche Sprache

Kurze Sätze mit simplem Satzbau sind zu bevorzugen. Wenn möglich sollte die Sprache in Hochdeutsch gehalten sein. Komplexe, stark verschachtelte Sätze und Fachwörter, die die lesende (oder hörende) Zielgruppe nicht versteht, sollten unbedingt vermieden werden.

Navigation

Bei der Navigation sprechen wir nicht nur von einer guten Erreichbarkeit und Bedienung der allgemeinen Haupt-Navigation am Anfang einer Webseite oder einer Webanwendung. Alle weiterführenden und interaktiven Elemente der Seite wie Links, Buttons, Formulare etc. sollten bestenfalls nicht nur mit der Maus, sondern auch mit der Tastatur ansteuerbar sein.

Wie Links barrierefrei (und SEO-freundlich) gestaltet werden können, lesen Sie in unserem Magazinbeitrag "Interne Verlinkung: 4 Tipps zum Nachahmen".

Seiten-Titel und Meta-Description

Im Quelltext einer Website finden sich Angaben zu Titel und Meta-Description der Seite. Durch sie sollte das Thema einer Seite leicht erkennbar sein. Deshalb wählen Sie Seitentitel und Meta-Description sinnvoll und achten Sie auf eine angemessene Zeichenzahl. Diese Daten werden auch von Suchmaschinen wie Google genutzt und auf den Suchergebnisseiten ausgegeben. Setzt man z. B. keine Meta-Description, sucht sich die Suchmaschine einen von ihr als sinnvoll erachteten Textausschnitt und bildet ihn in den Suchergebnissen ab.

Alternative Beschreibungen von Bildern und Texten

Die sogenannten alt-Attribute (auch alt-Tags) sollten für Bilder und Grafiken genutzt werden, um das Abgebildete zu beschreiben. Dieser Alternativtext hilft, den Inhalt zu verstehen, wenn das Bild nicht angezeigt oder erkannt werden kann. Auch Links können bspw. title-Tags tragen, um das Link-Ziel entsprechend zu beschreiben. Sowohl alt-Texte als auch title-Texte werden für die Sprachausgabe einer Webanwendung benötigt.

Hilfreiche Tools zum Testen

Natürlich bedarf es mehr als eines guten Auges, um Kleinigkeiten und größere Problemzonen im Code der Webanwendung zu lokalisieren, um digitale Barrierefreiheit zu gewährleisten. Für einen Stichprobentest können Sie manuell einzelne Seiten testen, wie beispielsweise hier beim Projekt BIK für Alle beschrieben. Für den schnellen Check bieten sich die Developer-Tools der Browser Firefox und Chrome an.

Um schneller und systematischer Schwachstellen aufzudecken, gibt es ein paar Test-Tools für digitale Barrierefreiheit.

WAVE (Web Accessibility Evaluation Tool)

WAVE ist ein hilfreiches Tool zur Prüfung digitaler Barrierefreiheit – als Browser-Addon oder API nutzbar. Es erkennt Kontrastfehler, fehlende Alt-Texte und fehlerhafte HTML-Strukturen. Zudem lässt sich die Darstellung interaktiv anpassen: Ändert man Farben, bewertet WAVE diese neu und zeigt den passenden WCAG-Standard an.

Screenreader

Menschen mit Sehbeeinträchtigung nutzen Screenreader, um Websites erfassen zu können. Deshalb lohnt es sich, die eigene Webanwendung selbst damit zu testen. Für verschiedene Betriebssysteme stehen passende Screenreader bereit, die sich meist einfach per Tastenkombinationen aufrufen und steuern lassen.

Unser Fazit

Digitale Barrierefreiheit bedeutet, jedem Nutzer den Zugang zu Webanwendungen zu ermöglichen und zu erleichtern. Dabei spielen Faktoren wie Bedienbarkeit, Strukturierung und Lesbarkeit eine essenzielle Rolle. Mit bestimmten Tools lässt sich jedes digitale Projekt auf Barrierefreiheit testen.

Barrierefreie Website oder Intranet? Wir machen das.

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